Archiv des LibreOffice- und OpenOffice.org-Wiki

[ÜberSicht] [TitelIndex] [WortIndex] [SeiteFinden

(./) SO7 OOo1.1

In OpenOffice.org werden in diversen Dialogen beim Definieren von Farbtönen Zahlenwerte benutzt. Hier erfährst du, welche Bedeutung diese haben. Dabei erhältst du auch eine kurze Einführung in die zugrunde liegenden Farbmodelle.

1. Was ist ein Farbmodell?

Ein Farbmodell dient dazu, für die Computergrafik Farben durch Zahlen definieren zu können. Es gibt inzwischen einige Modelle, die von den meisten Programmen verstanden werden. OpenOffice benutzt intern das RGB-Farbmodell, zur Definition eines Farbtons können auch andere Modelle benutzt werden. Die Werte werden dann umgerechnet.

2. RGB (rot – grün – blau)

Das ist ein hardwareorientiertes Modell, das die Arbeitsweise von Monitoren berücksichtigt. Monitore besitzen Beschichtungen, die bei Elektronenbestrahlung Licht in den Farben rot, grün und blau abstrahlen. Die Intensität der Strahlung kann variiert werden. Ein Farbton wird dadurch definiert, wie intensiv das Rot, Grün oder Blau ist.

rgb_dialog.jpg

Man benutzt ganzen Zahlen von 0 bis 255, wobei 0 „aus“ und 255 „maximale Intensität“ bedeutet. Da man für die interne Darstellung von 256 Werten 8 Bit benötigt, beträgt die Farbtiefe hier 24 Bit, was 16777216 unterschiedliche Farben ermöglicht.

rgb_additiv24bit.png

Da die Leuchtpunkte aus sich selbst heraus strahlen, liegt eine additive Farbmischung vor. Alle drei Farben zusammen ergeben theoretisch „weiß“. Praktisch kommt es aber sehr darauf an, wie der Monitor eingestellt ist und ob du nicht einen LCD- oder TFT-Bildschirm benutzt. Trotz gleicher RGB-Werte ist der Farbton bei verschiedenen Geräten unterschiedlich. In den Versuchen, die vor der Normung (s.u.) durchgeführt wurden, hat man die Farben mit Projektoren wirklich übereinander gestrahlt. Beim Röhrenmonitor liegen die Farbpunkte jedoch nebeneinander und werden erst durch das Auge optisch zu einem Farbeindruck vermischt. Durch die dazwischen liegenden Teile der Lochmaske entstehen weitere Abweichungen.

rgb_wuerfelgrau_klein.png

Du kannst dir alle Möglichkeiten in einem Würfel angeordnet vorstellen, wie in einem räumlichen Koordinatensystem. Von der Ecke „Schwarz“ ausgehend führen die Achsen für die Primärfarben „Rot“, „Blau“ und „Grün“ jeweils in unterschiedliche Richtungen. Die Sekundärfarben, die durch Mischen von zwei Primärfarben entstehen, liegen an den nächsten Eckpunkten. Die Farbe „Weiß“, bei der alle drei Primärfarben gemischt werden, liegt dem „Schwarz“ gegenüber. Dabei sind in den Eckpunkten die Farbanteile jeweils in maximaler Intensität vorhanden. Ein Grauton entsteht, wenn alle drei Farbanteile gleich intensiv sind. Das entspricht der Raumdiagonalen von Schwarz nach Weiß.

3. CMYK (cyan – magenta – yellow – key)

cmy_subtraktiv24bit.png

CMYK ist eine Erweiterung zu CMY. Auch das ist ein hardwareorientiertes Modell, es berücksichtigt die Arbeitsweise von Druckern. Die Farbwirkung entsteht, indem aus den vollen Spektrum des Lichtes einzelne Farbfrequenzen absorbiert werden und nur Teilbereiche des Spektrums reflektiert werden. Liegen die drei Primärfarben Cyan, Magenta und Yellow übereinander, wird das Licht komplett absorbiert, die Farben mischen sich theoretisch zu „schwarz“. Es ist eine subtraktive Farbmischung. Praktisch entsteht durch das Mischen jedoch nur ein schmutziges Braun. Deshalb besitzen moderne Farbdrucker zusätzlich eine schwarze Farbe.

Auch hier ist der Farbton trotz gleicher Zahlenwerte durchaus unterschiedlich. Neben der Druckfarbe hängt der Farbeindruck nämlich auch noch vom Papier und von der Beleuchtung ab. Die Mischung der Farben erfolgt teilweise optisch, wenn mit nebeneinander liegenden Rasterpunkten gearbeitet wird, teilweise sind die Druckfarben lasierend und werden übereinander gedruckt, wobei sie sich auch durchaus vermischen können.

cmyk-dialog.jpg

Die Werte für die Farben werden in Prozent angegeben. Dabei bedeutet 100%, dass die Farbschicht das Papier ganz bedeckt.

3.1. Unbuntaufbau

OpenOffice ändert eine Eingabe von 80% Y, 50% C, 30% M, 0% K spätestens beim erneuten Aufruf des Dialogs zu 50%Y, 20%C, 0%M, 30% K. Dies nennt man „Gray Component Replacement“ bzw. auf deutsch „Unbuntaufbau“. Bei 80% Y, 50% C, 30% M, 0% K würden an manchen Stellen drei Lagen Farbtinte übereinander liegen und so den Farbeindruck „schwarz“ erzeugen.

Nachteile:

Beim Unbuntaufbau werden nun die entsprechenden Anteile durch eine einzige schwarze Farbschicht ersetzt und die Farbanteile entsprechend reduziert. In dem Beispiel wird bei jeder Farbe ein Anteil von 30 Prozentpunkten weggenommen. Würde man diese Farbe verrühren, entstände theoretisch eine schwarze Farbe. Deshalb kommt nun 30% Schwarz hinzu.

Vorteile:

3.2. Zusammenhang zwischen CMYK und RGB

OpenOffice rechnet intern immer mit RGB und wandelt andere Einstellungen entsprechend um. Die im Dialog vorhandenen Felder für CYMK bedeuten also nicht, das OpenOffice mit diesem Farbmodell tatsächlich umgehen kann, sondern nur eine andere Eingabemöglichkeit und eine andere Anzeige für dich.

Theoretisch ist die Umwandlung ganz einfach, weil die Primärfarben im RGB-Modell und im CMY-Modell komplementär zueinander sind. Du brauchst obigen Farbwürfel nur andersherum zu betrachten. Nimmt man jedoch noch Schwarz hinzu, kann man nicht mehr eindeutig eine RGB-Kombination in eine CMYK-Kombination umwandeln, weil der Schwarzanteil variiert werden könnte.

3.2.1. CMYK → RGB

3.2.2. RGB → CMYK

OpenOffice wählt aus den vielen Möglichkeiten den oben beschriebenen Unbuntaufbau.

4. HSB (Farbton – Sättigung – Helligkeit)

hsb_dialog.jpg

Die in der Online-Hilfe angegebene Abkürzung FSH ist ein verunglückter Eindeutschungsversuch. Wenn du dich über dieses Farbmodell informieren willst, suche besser unter den Abkürzungen HSB oder HSV (Hue – Saturation – Brightness bzw. Hue – Saturation – Value), diese sind auch in deutschsprachigen Texten üblich.

hsv_kegel.png

Dieses Modell berücksichtigt eher die menschliche Empfindung von Farbe und stimmt in einigen Grundideen mit dem CIE L*a*b-Modell überein. Hier kann man sich die Farben in einem Kegel angeordnet vorstellen. Auf den Kreisflächen, die man als Schnitt durch den Kegel legt, befindet sich jeweils außen die Abfolge der Farben im Farbspektrum, als Kreis geschlossen. In der Mitte befinden sich von der Spitze in Schwarz ausgehend, immer heller werdend, die Grautöne auf der Achse des Kegels. Alle Farbtöne auf der Kreisscheibe besitzen die gleiche Helligkeit. Bewegst du dich auf einer solchen Kreisscheibe entlang des Radius nach innen, so vermindert sich der Farbanteil bis zu reinem Grau in der Mitte.

beispielfarbe_rechteck_kommentiert.jpg

OpenOffice stellt dies aber nicht als Kreisfläche dar, sondern als Quadrat. Oben liegt der Kreisumfang, unten der Kreismittelpunkt – etwas breitgezogen :-) . Wenn du die Markierung für den aktuellen Farbton mit der Maus anfasst und über die Fläche ziehst, kannst du beobachten, dass sich der Schwarzanteil im CMYK-Modell nicht ändert.

4.1. Eingabe der Werte bei OpenOffice

Daraus ergeben sich die drei Einstellmöglichkeiten:

4.2. Umrechnungen zwischen HSB und RGB

OpenOffice rechnet intern immer mit RGB und wandelt andere Einstellungen entsprechend um. Die im Dialog vorhandenen Felder für Farbe (H), Sättigung (S) und Helligkeit (B) bedeuten also nicht, das OpenOffice mit diesem Farbmodell tatsächlich umgehen kann, sondern nur eine andere Eingabemöglichkeit und eine andere Anzeige für dich.

4.2.1. RGB → HSB

In den Zeichnungen wird das Beispiel R=204=80%=0,8; G=77=30%=0,3; B=102=40%=0,4 benutzt.

In der Farbtheorie gibt es auch Umrechnungen, bei der die RGB-Koordinaten in Zylinderkoordinaten umgerechnet werden, wobei die Graudiagonale die Rotationsachse ist. Der dabei entstehende Winkel wird als Farbwinkel benutzt. Diese Werte weichen etwas von dem Wert in OpenOffice ab.

4.2.2. HSB → RGB

Hier wird nun das obige Verfahren umgedreht. Dafür musst du an Hand des Farbwinkels sechs Fälle unterscheiden, nämlich für jeden Sektor des Sechsecks. Das Verfahren ist dann immer gleich, nur die Rollen von R, G und B wechseln. Die Farben werden zunächst als Prozentwert berechnet und anschließen in den Zahlenraum {0..255} umgerechnet.

5. Siehe auch


KategorieGrafik KategorieGrundlagen


LizenzBedingungen | AnbieterKennzeichnung | DatenschutzErklärung | Stand: 2013-04-28